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Alles dreht sich

Auf einen Blick

Erfolge und Massnahmen

  • Branchenweit erste berechnete Bewertung von Kreislaufwirtschaft
  • Entscheidung getroffen, Soft-Tragetasche auf 100% recyceltes Gewebematerial umzustellen
  • Weiterverwertung von zurückgegebenen Hilti Flottengeräten durch Nutzung von Ersatzteilen oder Spenden

Kreislauf­wirtschaft

Die Bauindustrie als sehr ressourcenintensive Branche macht etwa 50 Prozent der weltweit verwendeten Rohstoffe pro Jahr aus. Die meisten dieser Ressourcen fliessen in Gebäude und Infrastrukturen mit sehr langer Lebensdauer, bei denen Wiederverwendung und Recycling in der Regel komplex sind.

Die Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, den wirtschaftlichen Erfolg vom linearen Ressourcenverbrauch zu lösen und Ressourcen schonend einzusetzen, sodass keine wertvollen Materialien verloren gehen. Von dieser Art des Wirtschaftens versprechen wir uns nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch neue Impulse für unsere Geschäftstätigkeit.

Die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft stimmen gut mit den bei Hilti seit jeher gelebten Werten überein. Bereits in der Vergangenheit haben wir die Grundlagen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft geschaffen. So setzen wir schon immer auf innovative Produkte und Services mit hoher Qualität und langer Lebensdauer. Wir haben eine Logistikkette für die Rückführung gebrauchter Produkte etabliert und verfügen darüber hinaus über ein globales System von Reparaturzentren, in denen mehr als 800 Mitarbeitende täglich unser Wissen über die Abnutzung, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit unserer Produkte erweitern. Wir konzentrieren uns in unserem Geschäft auf den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte und führen Neuerungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ein.

Unser Ziel ist es, Branchenführer in der Kreislaufwirtschaft zu sein.

Prinzipien der
Kreislaufwirtschaft

Unter Kreislaufwirtschaft verstehen wir ein Wirtschaften, bei dem wir mit einem Minimum an neu eingesetzten Rohstoffen einen maximalen Mehrwert erzeugen. Das Konzept umfasst weit mehr als nur Recycling. Ein zirkuläres Unternehmen:

  • denkt bereits bei der Produktentwicklung an den Einsatz von wiederverwerteten Materialien und daran, dass diese Materialen und alle verbauten Einzelteile auch zukünftig wiederverwendbar bleiben
  • minimiert den Einsatz von Wasser und Energie sowie die Menge an Produktionsabfällen
  • setzt bei seinen Produkten auf Qualität und Reparaturfähigkeit sowie den Gedanken von Zugriff auf anstatt Besitz des Produkts, damit sie möglichst lange in Verwendung bleiben
  • etabliert Geschäftsmodelle, die eine Produktrückgabe am Ende der Lebensdauer vorseh
Grafik: Hilti: Prinzipien der Kreislaufwirtschaft im Zyklus, mit minimalen Rohstoffen maximalen Wert erzielen

PRODUKTDESIGN

Unsere Produkte bestehen zum grossen Teil aus Materialien, die eine hohe Recyclingfähigkeit aufweisen. Dieses Potential wollen wir künftig verstärkt nutzen, indem wir bewusste Entscheidungen zur Materialauswahl in der Designphase treffen.

Produktion

Unsere Produktion ist bereits heute hinsichtlich Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz auf einem guten Stand. Dies bauen wir weiter aus, indem wir zum Beispiel unsere weltweiten Produktionsstätten im Jahr 2020 vollständig auf erneuerbare elektrische Energien umgestellt haben.

Geschäftsmodell und Nutzung

Im ­Geschäftsmodell sind die grössten Unterschiede zwischen Geräten und Verbrauchsmaterialien ersichtlich. Im Gerätegeschäft legt unser Flottenmanagement den Grundstein für das Konzept «Produkt als Dienstleistung», einem Grundprinzip der Kreislaufwirtschaft, das unseren Kunden hilft, mit weniger mehr zu erreichen.

Ende der Lebensdauer

Auch am Ende des Produktlebens­zyklus sehen wir einen posi­tiven ­Effekt unseres Flottengeschäfts: Durch die kostenlosen und ­bequemen Abholungen im Rahmen unseres ­globalen Netzwerks an Rückführungslogistik konnten wir im Jahr 2020 weltweit mehr als 1,3 Millionen Geräte, Batterien und Ladegeräte unserer Kunden einsammeln, die entweder weiterverwendet oder recycelt wurden. Unsere Werkzeuge haben einen hohen Anteil an Stahl, Kupfer und Aluminium, was bedeutet, dass über 70 Prozent der Masse des Werkzeugs praktisch endlos für eine Vielzahl von Anwendungen recycelt werden kann.

Input

Der Einsatz von recycelten Mate­rialien in unseren Produkten liegt weit über dem globalen Durchschnitt von acht Prozent. Eine Schlüsselrolle spielen die von uns verwendeten ­Metalle, die schon heute einen wesentlichen Recyclinganteil enthalten.

Video: Hilti: Kreislaufwirtschaft
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Eine weitere wichtige Voraussetzung für zirkuläres Wirtschaften sehen wir in Form unseres Flottenmanagements. Mit diesem umfassenden Geschäftsmodell einer langfristigen Nutzungsvereinbarung für unsere Geräte erweitern wir die Kontrolle über unsere Produkte bis über das Ende des Lebenszyklus hinaus. Bereits zu Vertragsbeginn führen wir mit unseren Kunden eine Gerätepark-Optimierung durch, um sicherzustellen, dass sie über die richtige Anzahl von Geräten verfügen, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Für jeden kurzfristigen Nutzungsbedarf können Flottenkunden Leihgeräte aus unserem Leih- und Mietgerätepark oder dem eines unserer Partnerunternehmen aus der Mietbranche nutzen. Bei einer richtigen Dimensionierung des Geräteparks sollten die Geräte am Ende des Flottenvertrags ihre maximale Nutzungsdauer erreicht haben. Wenn die Geräte bei Vertragsende noch mit guter Leistung nutzbar sind, bieten wir in einigen Märkten Vertragsverlängerungen über die Standardlaufzeiten an. Für zurückgenommene Geräte prüfen wir, welche weniger intensiven Verwendungsmöglichkeiten infrage kommen. So entnehmen wir hochwertige Ersatzteile gemäss den jeweiligen lokalen Vorschriften für die Reparatur oder spenden Geräte für einen wohltätigen Zweck. Falls keine Wiederverwendungsoption möglich ist, geben wir die Geräte an unsere autorisierten Recycling-Partner, um sicherzustellen, dass die Materialien in Recycling-Kreisläufe gelangen.

Organisatorische Verankerung

Das Thema Kreislaufwirtschaft ist in den Geschäftsfeldern Produktion und Logistik verankert, die Initiativen zur Verbesserung einbringen. Zu Beginn des Berichtsjahres haben wir in unserem Geschäftsfeld Geräteservices ein Projektteam geschaffen, das die Aktivitäten der operativen Einheiten konsolidiert, hinterfragt und sie berät. Durch regelmässige Lenkungsausschüsse wird die Konzernleitung direkt über die Fortschritte in diesem Programm informiert und kann steuernde Akzente setzen.

Foto: Hilti: Mann im Reparaturzentrum hält ein Hilti-Werkzeug in der Hand
In unserem globalen System von Reparaturzentren erweitern mehr als 800 Mitarbeitende täglich unser Wissen über die Abnutzung, Langlebigkeit und Wiederverwertbarkeit unserer Produkte.

So messen wir Kreislaufwirtschaft

Bisher gibt es kein einheitliches, international anerkanntes Rahmenwerk für die Messbarkeit von zirkulärem Wirtschaften. Um diese Messbarkeit voranzutreiben, haben wir als das erste Unternehmen weltweit mit Boston Consulting Group (BCG) die neue CIRCelligence Methode angewendet und weiterentwickelt. CIRCelligence, co-entwickelt von BCG und der niederländischen Non-Profit-Organisation Circle Economy, macht zirkuläres Wirtschaften und die Fortschritte darin messbar. Auf dieser Basis haben wir unser gesamtes Produktportfolio mit Blick auf Kreislaufwirtschaft sowohl qualitativ als auch quantitativ bewertet.

Die qualitative Bewertung informiert über die aktuellen Bemühungen sowie den Reifegrad der Steuerung in Bezug auf die neuesten Erkenntnisse im Bereich Kreislaufwirtschaft. Bei einer Note «A» hat das Unternehmen die neuesten Erkenntnisse im Bereich Kreislaufwirtschaft in all seinen Geschäftsbereichen umgesetzt. Bei einer Note «F» sind die Aktivitäten und Instrumente zur Herstellung der Kreislaufwirtschaft noch nicht ausgereift. Die qualitative Bewertung hilft entsprechend dabei, zu bewerten, wie strukturiert die Kreislaufwirtschaft in einem Unternehmen umgesetzt wird.

Qualitativer Score

Grafik: Hilti: Qualitativer Score Kreislaufwirtschaft

Die quantitative Bewertung gibt Auskunft über den tatsächlichen Status des zirkulären Wirtschaftens, hauptsächlich messbar durch die Masse der verwendeten Ressourcen. Ein Wert von null Prozent bedeutet, dass auf allen Stufen der Wertschöpfungskette Materialien und Produkte auf lineare Weise gehandhabt werden. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet die volle Umsetzung einer zirkulären Wirtschaft. Ob dieser Zustand erreicht werden kann, hängt in erster Linie von den verfügbaren Technologien ab; er ist heute vielfach noch nicht vollständig realisierbar. Die Methodik teilt die Wertschöpfungskette in fünf Bereiche auf, von Input bis zum Ende der Lebensdauer (siehe Grafik weiter unten). Eine Vielzahl von Aspekten, einschliesslich des Energieverbrauchs, der Sammelraten und der inhärenten Wiederverwertbarkeit der Produkte, wird bei der Kalkulation berücksichtigt. Bei der Berechnung unterscheiden wir nach Geräten und Verbrauchsmaterialien (d. h. Befestigungsmittel und Werkzeuge), da sich die beiden Bereiche grundlegend unterscheiden: Während wir beispielsweise Geräte am Ende ihrer produktiven Lebensdauer zurücknehmen können und dies auch tun, ist die Rücknahme von Befestigungsmaterial angesichts seiner verhältnismässig kleinen Masse sowie der wesentlich längeren Lebensdauer von Gebäuden und deren Eigentümerwechsel derzeit sehr schwer darstellbar.

Quantitativer Score

Grafik: Hilti: Quantitativer Score Kreislaufwirtschaft. Verbrauchsmaterialien in der Kreislaufwirtschaft, Angaben in Prozent. Geräte in der Kreislaufwirtschaft, Angaben in Prozent
  • Input: Der Einsatz von recycelten Materialien in unseren Produkten liegt weit über dem globalen Durchschnitt von acht Prozent. Eine Schlüsselrolle spielen die von uns verwendeten Metalle, die schon heute einen wesentlichen Recyclinganteil enthalten.
  • Produktdesign: Unsere Produkte bestehen zum grossen Teil aus Materialien, die eine hohe Recyclingfähigkeit aufweisen. Dieses Potential wollen wir künftig verstärkt nutzen, indem wir bewusste Entscheidungen zur Materialauswahl in der Designphase treffen.
  • Produktion: Unsere Produktion ist bereits heute hinsichtlich Abfallvermeidung und Ressourceneffizienz auf einem guten Stand. Dies bauen wir weiter aus, indem wir zum Beispiel unsere weltweiten Produktionsstätten im Jahr 2020 vollständig auf erneuerbare elektrische Energien umgestellt haben.
    Mehr Information: Umweltschutz  und CO2
  • Geschäftsmodell und Nutzung: Im Geschäftsmodell sind die grössten Unterschiede zwischen Geräten und Verbrauchsmaterialien ersichtlich. Im Gerätegeschäft legt unser Flottenmanagement den Grundstein für das Konzept «Produkt als Dienstleistung», einem Grundprinzip der Kreislaufwirtschaft, das unseren Kunden hilft, mit weniger mehr zu erreichen.
  • Ende der Lebensdauer: Auch am Ende des Produktlebenszyklus sehen wir einen positiven Effekt unseres Flottengeschäfts: Durch die kostenlosen und bequemen Abholungen im Rahmen unseres globalen Netzwerks an Rückführungslogistik konnten wir im Jahr 2020 weltweit mehr als 1,3 Millionen Geräte, Batterien und Ladegeräte unserer Kunden einsammeln, die entweder weiterverwendet oder recycelt wurden. Unsere Geräte haben einen hohen Anteil an Stahl, Kupfer und Aluminium, was bedeutet, dass über 70 Prozent der Masse der Geräte praktisch endlos für eine Vielzahl von Anwendungen recycelt werden kann.
Foto: Hilti: Mann arbeitet auf einer Baustelle mit Hilti-Werkzeug

2020 – Der Startpunkt unserer Roadmap

Diese erste Analyse hat uns gezeigt, dass unsere bisherigen Aktivitäten über dem globalen Durchschnitt im Bereich der zirkulären Wirtschaft liegen und wir durch eine Institutionalisierung unserer Bestrebungen weiteres Potenzial realisieren können. Auf Grundlage der Methodik haben wir klare Prioritäten definiert, um Kreislaufwirtschaft in Zukunft noch mehr in den Fokus zu rücken. Wir wollen zum Beispiel das Wachstum unseres Flottenmanagements weiter vorantreiben und dieses gleichzeitig mit Blick auf zirkuläre Prinzipien optimieren. Ausserdem wird die Zusammenarbeit mit unseren globalen Recyclingpartnern zukünftig eine grössere Rolle spielen.

Bereits im Berichtsjahr haben wir erste Initiativen auf unserer Roadmap umgesetzt:

Wir haben in diesem Jahr eine berechnete Bewertung unserer Kreislaufwirtschaft mit einer weltweit erstmals verwendeten Methodik ermittelt. Als eines der ersten Unternehmen der Branche machen wir diese Bewertung transparent. Auf dieser Basis werden wir jährlich unseren quantitativen und qualitativen Fortschritt verfolgen und unsere Initiativen priorisieren.

Wir werden die Messlatte für die Entwicklung unserer Kennzahlen höher legen und die Institutionalisierung von Prinzipien der Kreislaufwirtschaft in unseren geschäftlichen Prozessen und Entscheidungen stärker einbeziehen. Den Schwerpunkt legen wir dabei auf das Produktdesign und die Beschaffung. Bereits heute integrieren wir konsequent die Erkenntnisse aus unseren globalen Reparaturzentren in der Entwicklung, um Produkte leichter reparierbar zu machen. So haben wir beispielsweise damit begonnen, die Elektronik vom Kunststoffschalter zu trennen. Da der Schalter häufiger beschädigt wird als die Elektronik, können wir auf diese Weise den viel kleineren Schalter anstatt der gesamten Elektronik ersetzen und sparen so wertvolle Materialien und Transportkosten.

Wir werden Verpackungen von Produkten und in der Lieferkette reduzieren. Zum Beispiel durch wiederverwertbare Verpackungssysteme in der Logistik oder den verstärkten Einsatz von recycelten Materialien. Als erste Massnahme haben wir im Jahr 2020 beschlossen, unsere Hilti Soft-Tragetasche durch 100 Prozent recyceltes Gewebematerial zu ersetzen. Dadurch werden bis zu 600 Tonnen neu hergestellter Kunststoff jährlich eingespart – das entspricht etwa 50 Millionen PET Flaschen. Zudem haben wir mit Tests begonnen, um den Recycling-Anteil in unseren Gerätekoffern zu erhöhen, ohne dabei die Qualität und den Hilti Wiedererkennungswert zu gefährden.

Wir haben zurückgegebene Hilti Flottengeräte nach ihrer ersten Nutzungsdauer sinnvoll weiterverwertet. Unser Team in Frankreich hat Pionierarbeit bei der Verwendung ausgewählter Ersatzteile zur Wiederverwendung bei Reparaturen von Hilti Flottengeräten geleistet. Unter Einhaltung unserer hohen Qualitätsstandards wurden fast 30 000 Ersatzteile zurückgewonnen, die andernfalls dem Recycling zugeführt worden wären, was mehr als fünf Tonnen wertvollen Materialien entspricht. Aufgrund des guten Kundenfeedbacks werden wir die Anzahl der genehmigten Ersatzteile für Hilti Flottengeräte im Einklang mit den jeweils geltenden lokalen Bestimmungen weiter erhöhen. Ausserdem haben wir in den Jahren 2019 und 2020 noch funktionsfähige und wiederaufbereitete Geräte aus unserem Flottenmanagement im Wert von mehr als CHF 1 Mio. in den USA an «Habitat for Humanity» und andere wohltätige Organisationen gespendet. In unserer Marktorganisation in Tschechien haben wir im Rahmen des Programms «Tools for Schools» gebrauchte, aber für weniger anspruchsvollen Gebrauch noch funktionstüchtige Geräte an vier Schulen gespendet und unterstützen so zukünftige Elektriker, Ingenieure oder Firmeninhaber.

Foto: Hilti: Gespendete Hilti-Geräte an das Programm Tools for Schools
Zurückgenommenen Flottengeräten ermöglichen wir ein zweites Leben. Einen Teil der gebrauchten Geräte spenden wir u. a. dem hier gezeigten Programm «Tools for Schools» in Tschechien.

Eingesetzte Materialien 2020

   
   
 Nach Gewicht (in t)Prozentsatz der recycelten
Ausgangsstoffe
Erneuerbare Materialien
(Papier, Karton, Holz)
32 177 
Nicht erneuerbare Materialien224 126 
davon Stahl135 70032%
davon Kunststoffe14 9239%
davon Chemikalien53 4240%
Noch nicht analysierte Produkte13 810 
Total eingesetzte Materialien
(Produkte und Verpackungen)
270 11323%