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Let’s talk

Im Gespräch mit Christoph Loos, Michèle Frey-Hilti und Peter Rupp

Herr Loos, alle reden gerade über Nachhaltigkeit. Und nun veröffentlicht auch Hilti den ersten Nachhaltigkeitsbericht. Warum gerade jetzt?

CHRISTOPH LOOS: Wir beschäftigen uns seit Jahrzehnten mit Fragen, die man heutzutage als typische Nachhaltigkeitsthemen ansehen würde. So spielen beispielsweise Gesundheit und Sicherheit bei uns traditionell eine grosse Rolle – mit Blick auf unsere Mitarbeitenden, aber auch mit Blick auf die Anwender unserer Produkte. Oder denken Sie an das soziale Engagement der Hilti Foundation, auch da sind wir schon lange aktiv. Doch in Anbetracht der Herausforderungen des Klimawandels und der damit verbundenen gesellschaftlichen Probleme müssen wir unsere Anstrengungen verstärken. Mit der Nachhaltigkeitsstrategie haben wir das Fundament dafür geschaffen, unsere Bemühungen noch konsequenter und umfassender anzugehen. Und über die Fortschritte, die sich bei der Umsetzung dieser Strategie ergeben, wollen wir nun jährlich berichten. Das schafft Transparenz nach innen und aussen.
 

Frau Frey-Hilti, als Mitglied der Eigentümerfamilie wollen Sie, dass das Unternehmen Gewinne erzielt. Kann und will sich Hilti teure Massnahmen, etwa für Umweltschutz, leisten?

MICHÈLE FREY-HILTI: Kurzfristige Gewinnmaximierung war nie das Ziel, sondern die langfristige Entwicklung des Unternehmens, die allen Anspruchsgruppen gerecht wird. Und das ist natürlich nur möglich, wenn wir entsprechende finanzielle Mittel erwirtschaften. Mein Grossvater Martin Hilti sagte immer: «Gewinn ist nicht alles – aber alles ist nichts ohne Gewinn.» Ich bin davon überzeugt, dass nur ein nachhaltiges Wirtschaften unseren langfristigen Erfolg sichern kann. Und darunter verstehen wir eben auch, ökologische und soziale Verantwortung zu übernehmen. Wir haben schon in der Vergangenheit Emissionen oder den Mitteleinsatz in der Produktion soweit wie möglich reduziert. Aber wie Christoph schon gesagt hat, gehen wir die Themen rund um Nachhaltigkeit jetzt noch strukturierter und fokussierter an.

Foto: Hilti: Dr. Christoph Loos, CEO

Mit der Nachhaltigkeitsstrategie haben wir das Fundament dafür geschaffen, unsere Bemühungen noch konsequenter und umfassender anzugehen.

Christoph Loos,
CEO

Herr Rupp, Sie leiten das Nachhaltigkeitsteam bei Hilti, das in diesem Jahr neu etabliert wurde, und Sie sollen Veränderungen anschieben. Vorher haben Sie ein Geschäftsfeld von Hilti geleitet. Wie viel Widerstand erfahren Sie von Ihren Kolleginnen und Kollegen, die nun viele Dinge verändern sollen?

PETER RUPP: Eigentlich gar keinen. Eher im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass wir derzeit offene Türen einrennen. Und wir fangen auch nicht bei null an. Es gibt bei Hilti ein grosses Bewusstsein und Verständnis für Nachhaltigkeit. Deshalb begrüssen auch viele Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich spreche, dass wir diese Themen nun wesentlich konzentrierter angehen. Denn das haben wir bei Hilti gelernt: Wenn wir uns auf etwas fokussieren, dann erreichen wir auch einen hohen Wirkungsgrad.

Auf welche Änderungen sollten sich die Mitarbeitenden denn einstellen?

PETER RUPP: Wir wollen gar nicht alles anders machen als bisher. Unser Leitbild bleibt unverändert: Wir wollen eine bessere Zukunft bauen. Was sich ändert ist, dass wir künftig ökologische und soziale Faktoren bewusst stärker in unsere unternehmerischen Entscheidungen und Handlungen einbeziehen werden.

Foto: Hilti: Michèle Frey-Hilti, Mitglied des Stiftungsrates der Hilti Foundation

Ich bin davon überzeugt, dass nur ein nachhaltiges Wirtschaften unseren langfristigen Erfolg sichern kann.

Michèle Frey-Hilti,
Mitglied des Stiftungsrates der Hilti Foundation

Herr Loos, die Corona-Krise hat das Leben vieler Menschen drastisch verändert. Gleichzeitig musste sich auch die Wirtschaft in kurzer Zeit radikal umstellen. Ist diese Krise ein Treiber für das Thema Nachhaltigkeit?

CHRISTOPH LOOS: So würde ich das nicht sagen. Wenn es einen relevanten Treiber für Nachhaltigkeit gibt, dann sind das die eminenten Umweltprobleme, vor denen niemand die Augen verschliessen kann. Die Corona-Krise hat aber sicherlich gewisse Entwicklungen beschleunigt.

Können Sie Beispiele nennen?

CHRISTOPH LOOS: Zum Beispiel das digitale Arbeiten. Das hat sich bei uns in vielen Arbeitsbereichen bewährt. Insgesamt haben wir in der Corona-Krise unsere Reisetätigkeit natürlich enorm reduziert mit entsprechenden Verbesserungen beim CO2-Fussabdruck. Wir regen unsere Mitarbeitenden bereits heute dazu an, auch nach der Krise die Nutzung digitaler Formate als Alternative zu Dienstreisen vermehrt in Betracht zu ziehen. Wobei wir mit unserem Geschäftsmodell des Direktvertriebs und unserer Unternehmenskultur weiterhin ein »people business« bleiben, was bedeutet, dass auch in Zukunft persönliche Kontakte mit unseren Kunden und unseren weltweiten Teams eine grosse Rolle spielen werden.

MICHÈLE FREY-HILTI: Was die Krise auch gezeigt hat, ist der Zusammenhalt unter den Teammitgliedern. Wir sind zwar physisch distanzierter, aber es herrscht eine grosse Solidarität. Ein starkes Beispiel dafür ist der freiwillige Verzicht auf einen Teil des Gehalts und eine Arbeitszeitverkürzung seitens Mitarbeitenden aus verschiedenen Konzernbereichen, was vom Unternehmen verdoppelt wurde. Dadurch konnten wir CHF 13,6 Mio. in einen internen Fonds einzahlen. Die Summe wird denjenigen Hilti Teammitgliedern und ihren Familien zur Verfügung gestellt, die durch die COVID-19-Pandemie in Not geraten sind und in Ländern ohne staatliche Unterstützungs- und Gesundheitssysteme arbeiten.

Foto: Hilti: Peter Rupp, Head of Corporate Sustainability

Wir wollen künftig ökologische und soziale Faktoren bewusst stärker in unsere unternehmerischen Entscheidungen und Handlungen einbeziehen.

Peter Rupp,
Head of Corporate Sustainability

Herr Rupp, nun liegt erstmals ein Nachhaltigkeits­bericht von Hilti vor. War es eine schwere Geburt?

PETER RUPP (lacht): Sagen wir es so: Wir waren in den letzten Monaten gut beschäftigt, die Organisation aufzuwirbeln. Die eigentliche Arbeit liegt aber im Vorantreiben unserer Initiativen. Die Erstellung dieses Berichtes hat Freude gemacht, da wir zum ersten Mal ein Gesamtbild aufzeigen können. Wir sind froh, dass wir eine Basis etabliert haben, der wir nun jedes Jahr unsere Fortschritte und Herausforderungen gegenüberstellen können. So bekommen unsere ambitionierten Ziele intern wie extern Glaubwürdigkeit.

CHRISTOPH LOOS: Glaubwürdigkeit ist ein gutes Stichwort, Peter. Da möchte ich ergänzen: Wir wissen sehr gut, dass wir in vielen Bereichen noch einen weiten Weg vor uns haben. Deshalb haben wir uns im vollen Bewusstsein Ziele gesetzt und ein Berichtsformat gewählt, in dem sehr transparent wird, wo wir heute noch nicht gut sind. Wir beschäftigen uns mit Nachhaltigkeit nicht wegen des Zeitgeistes oder schauen, wie wir hier bestmöglich aussehen können. Wir wollen unser Geschäft in fundamentaler Weise umweltschonender und mit einem positiveren Beitrag für die Gesellschaft betreiben. Wir unterstützen auch ausdrücklich die zehn Prinzipien des UN Global Compact, die hierzu ein klares Raster vorgeben.

Frau Frey-Hilti, hat der Nachhaltigkeits­bericht Überraschungen für Sie bereitgehalten?

MICHÈLE FREY-HILTI: Inhaltliche Überraschungen zum Glück nicht (lacht). Ich bin glücklich darüber, dass wir diesen Bericht nun vorliegen haben. Er gibt unseren Kunden und unserem gesamten Umfeld einen guten Überblick über alles, was wir tun und vorantreiben. Denn darauf kommt es ja an: dass wir nicht einen Modebegriff aufschnappen und über Nachhaltigkeit reden, sondern wirklich handeln. Ich hoffe, dass wir auf unserer Reise auch andere inspirieren und voneinander lernen können.

Wir wollen unser Geschäft in fundamentaler Weise umweltschonender und mit einem positiveren Beitrag für die Gesellschaft betreiben.

Christoph Loos,
CEO

Zum Abschluss noch eine Frage an Sie alle drei: Mal abseits von Hilti – welches persönliche Ziel setzen Sie sich für mehr Nachhaltigkeit in Ihrem eigenen Leben? Herr Rupp?

PETER RUPP: Mein Ziel ist es, wo immer möglich zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Und beim Konsum versuchen wir als Familie vorwiegend lokale Produkte einzukaufen, verstärkt auf Verpackungen zu verzichten und häufiger Mehrwegmaterialien zu nutzen.

CHRISTOPH LOOS: Bei mir findet gerade ein Umdenken statt bezüglich meiner bisher sehr ausgeprägten Reisetätigkeit – beruflich wie privat. Ausserdem möchte ich meinen eigenen Fussabdruck kompensieren, indem ich persönlich Nachhaltigkeitsprojekte in den Bereichen Soziales und Umwelt unterstütze.

MICHÈLE FREY-HILTI: Eine möglichst nachhaltige Ernährung mit regionalen und saisonalen Zutaten, darauf achte ich sehr. Ich baue in unserem Garten viel Gemüse an und bin mittlerweile schon seit 24 Jahren Vegetarierin. Deshalb engagiere ich mich auch im Tierschutz. In Zukunft möchte ich aber auch vermehrt auf mein Konsumverhalten achten. Bei Kleidung etwa darauf, dass sie nicht unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt wurde. Diese kleinen Schritte finde ich wichtig, da kann jede und jeder von uns Verantwortung übernehmen und zu einer besseren Welt beitragen.

Frau Frey-Hilti, Herr Loos, Herr Rupp – vielen Dank für das interessante Gespräch!